Hier ist nun mein Reisebericht aus Irland.

15/04/09 – Packen für die Insel

Bis spät in die Nacht packe ich Sachen ein und aus. Erst ein Rucksack aus den 80ern, der praktisch aussieht,sich dann aber doch als sehr unpraktisch erweist.
Sachen sind gepackt und hoffentlich ist auch alles dabei… schlafen.

16/04/09 – Tag X – Reise und Ankunft

“Aufstehen! Du verpasst den Zug!” Damit werde ich wach, obwohl ich doch erst um 07:30 am Bahnhof sein wollte. Nach mehrmaligem Umdrehen ist es dann wirklich halb sieben und ich schmeiße mich aus dem Bett. Noch schnell Proviant geschmiert und dann geht es Richtung Zug. Dieser fährt um 07:44 und ich fahre nun Richtung Hannover. Dann Duisburg und schließlich Weeze. Mit dem Bus ist nun das Terminal von Ryanair erreicht und ich kann einchecken. Bei der Handgepäck-Kontrolle sind die Angestellten so gütig und verschonen die hochempfindlichen Schwarzweissfilme von der Durchleuchtung.
Nun noch etwas warten und der Flieger hebt ab nach Dublin. Über Irland ist’s wolkigdunstig. Auf dem Flughafen regnet es. Naja, es regnet nicht, es gießt. Trotzdem erreiche ich eine Bushaltestelle und warte auf einen Bus der mich dann nach Belfast bringt. Nachdem nach über 50km auf den Ausfahrtschildern immer noch “Omagh” steht, schlussfolgere ich, dass es sich nicht um eine Ortschaft handelt sonder Ausfahrt auf gälisch zu heissen scheint. Ansonsten gibt’s auf der Fahrt nicht viel zu sehen, einige Wiesen, kleine Städtchen und einige Schafe.

Nach etwa 1:30 Stunden kommt der Bus in Belfast an und ich steige aus. Es regnet nun nicht mehr.
Da es mittlerweile halb 6 ist, sollte ich mich auf die Suche nach der Jugendherberge machen. Die Leute die ich fragte, waren gleich hilfsbereit, schickten mich jedoch gutgläubig ins offizielle Belfast Hostel. Der Typ an der Rezeption lächelt als ich ihn frage und sagt nur “Ahh, Linen House…” und zeigt mir eine Karte. Hier bin ich, dort ist das Zentrum und gegenüber ist das Linen House. Also wieder ein guter Fußmarsch. Endlich im Hostel angekommen, ist auch schon fast Schicht im Schacht. Nein, moment, ich möchte noch schnell was essen. Also eine Bank gesucht, 20 Sterling abgehoben und dann ab zu McDonalds. Chicken Legend ging so, die Pommes (Chips) zu salzig. Neben mir eine alte Frau, die mit ihrem Kaffee spricht.

17/04/09 – Tag 1 – Erste Eindrücke von Belfast

Nachdem ich erstaunlich gut geschlafen habem wache ich beim ersten Weckerpiepen auf und schalte ihn gleich aus. Dann um halb 11 stehe ich auf. Mein Ziel: einen Steckeradapter finden. Gar nicht so einfach. Zwischendurch gibt es noch einen Demozug der Socialist Party und eine Ansprache gegen die Rezession. Viele Fotos und Kilometer später werde ich endlich fündig und nehme einen Adapter mit in die Herberge. Erstmal ein kleines Päuschen machen und die Fotos von der Kamera auf dem Laptop… verdammt, ich habe doch tatsächlich das Kabel vergessen.

Nach einem weiteren kleinen Einkauf bei Tesco gehe ich in Richtung Fluss und mache noch bei der Ulster University ein nettes Päuschen mit Cheddarcheese und Pitabrot. Ein kleiner Abstecher zum Fluss und einigen Brücken lässt mich die erste Seeluft schnuppern.

Abends gibts dann noch mal leckeres Selbstgekochtes aus Griechenland. Ja, im Zimmer sind noch zwei Griechen.

18/04/09 – Tag 2

Der heutige Tag beginnt etwas weniger müde, da ich den Wecker nicht eingeschaltet habe und von alleine um halb 9 aufstehe. Nachdem ich diesmal eine etwas bequemere Dusche gefunden habe, gehts gleich in die Innenstadt (von hier aus 4 Minuten zu Fuß) und ins Belfast Welcome Centre. Heute möchte ich die Bustour durch Belfast machen. Ticket gibts für £ 10,50. Um 11 gehts los und wir fahren an vielen Interessanten Orten vorbei. Nur einige davon sind die Peacelines, die Docks, wo die Titanik gebaut wurde, viele Gedenkstätten an die Troubles und die Opfer. Obligatorische Fotos durch die staubige Scheibe des Busses. Draußen gibts auch Sitze, aber es war einfach zu kalt.

Zurück im Zemtrum gehts erstmal Richtung Herberge, um ein bisschen zu schreiben.

Nächste Station: einfach mal nach Norden gehen, dort müssten die protestantischen Viertel sein… Ich bin dann tatsächlich durch einsame Gegenden gewandert und habe ein paar Aufnahmen gemacht, hauptsächlich natürlich die berüchtigten Wandmalereien.

Jetzt qualmen mir die Socken und ich werde mir ein bisschen was zu essen reinpfeifen.

Abends gehts dann mit zwei Griechen in einen sehr netten Pub (bei Tesco um die Ecke, dann der übernächste) mit schöner Livemusik (unten schottisch, oben irisch, wir bleiben aber oben). Um 1 Uhr werden dann alle rausgeschoben und wir verbringen noch 2 Stunden im Keller der Herberge mit einem verrückten Franzosen!

Und natürlich gab es noch einen krönenden Abschluss: im Bett von Nefeli lag schon jemand und schnarchte laut. Wir weckten ihn und er sagte uns, sein Bett sei schon belegt gewesen, da habe er sich halt da oben hingelegt… Es gab dann aber noch ein anderes Bett für ihn…
Morgen werden wir feststellen, dass sich ein älterer Herr in die Herberge geschlichen hat und sich einfach in eins der Betten gelegt hat um mal richtig auszuschlafen (Krach mit der Ehefrau?). Er wurde dann am Morgen nett gebeten doch bitte zu gehen. Er ist übrigens nicht wiedergekommen um für die vergangene Nacht zu zahlen… :-)

19/04/09 – Tag 3

Bei der Nacht kann man wohl nicht anders aufwachen. Die Inhaber haben schon die anderen Betten neu bezogen und nach einer ausgiebigen Dusche verlasse ich die Herberge in Richtung Tesco. Gekauft wird also ein “Breakfast Package” (2x Sodabread; 2x Pancakes und noch 2 Dinger), “Mild Cheddar Cheese” (mild und lecker), “Strawberry Jam” (*mjam*) und noch zwei Packungen “Apple Turnaround” (35p gespart): £ 9,50. Sollte aber auch für zwei Tage reichen.
Dann noch ein Large Cappuccino von Starbucks für £ 2,60 und ab zurück ins Hostel.

Nach dem Frühstück gehts mit Aris, Nefeli und Jean dem Franzosen in Richtung Peaceline. Nachdem wir dort die Graffitis bewundert und die Mauern bestaunt haben, stellen wir fest, dass die Tore Sonntags geschlossen sind. Sachen gibts. Also einmal bis zum Ende gelaufen und dann noch ein paar Meter auf der anderen Seite entlang.
Endlich sind wir wieder im Hostel und meine Füße haben eine kleine Pause verdient. Heut’ Abend gehts dann wahrscheinlich wieder in den Pub, diesmal unten bei der schottischen Musik.

Der Abend im Pub war einfach unglaublich, es wurde viel Gitarre gespielt, auch die Fidel. Dazu wunderbarer Gesang auf englisch und teilweise auch gälisch. Mehr kann man nicht schreiben, man muss es selbst erleben.
Es waren noch zwei nette Iren dort, die zur Zeit in Kassel wohnen und arbeiten.

I’m in love with Ireland from now on! Cheers!

20/04/09 – Tag 4

Ein fauler Tag (nur nicht für die Füße).
Lange geschlafen, dann langes Frühstück, dann Fotos gucken und austauschen, dann Nefeli und Aris verabschieden, dann Botanic Garden bei der Queens University of Belfast.
Einkaufen (sehr merkwürdige, aber leckere Würstchen) auf Umwegen und gleicht essen.
Morgen werde ich mich dann abends mit Michael treffen und wegen des Jobs sprechen. Bin sehr gespannt!
Abends gings dann wieder in den Pub, diesmal mit Simon (Frankreich) und Babs (Belgien). Diesmal haben wir uns wieder köstlich mit einige Leuten unterhalten und die Musik war super. Nachdem der Typ mit der Trommel das dritte Mal vom Stuhl gefallen ist, leert sich der Pub etwas und es machen jetzt mehr Leute Musik als Trinkende dort sind. Um 1 macht der Barkeeper langsam darauf aufmerksam, dass jetzt mal Schluss ist. Danach wird’s erst wieder richtig schön. Die Anwesenden Musikmachenden geben ihr Bestes und es wird nun sehr irisch, gälisch und melodisch. Unbeschreiblich. So gegen 2 Uhr ist dann aber wirklich Schluss.

21/04/09 – Tag 5

Well, as you can see, I am trying to write in english now. See german text below.
Nothing special today (in the beginning), breakfast with Simon and Babs. Babs is leaving to work in the library, me and Simon are walking to Baddens to take some photos. It is raining and the sun is shining brightly…
After Baddens a few steps more to the Victoria Centre to get an overview of Belfast. On top of the Centre there is a big dome made of glass and steel so you have a fine panorama there. Simon has to go back to the hostel and then to the airport, while I am walking in direction of the Botanic Garden. I saw some nice tropical plants there and a closed Ulster Museum. After buying my ticket to Ballymena I return to the hostel to write and wait for the bus.
In the moment I can’t believe that that what I am gonna write now is real… So I am just sitting in the hostel a bit surfing in the internet. Meeting Babs (again), saying goodbye and have-a-good-live (again) and finally departing to the bus station. 19:50 the bus leaves and 20:50 arrives in Ballymena. About ten minutes later Michael arrives and we start to his farm near Newtown-Crommelin.
He is a very kind guy and asked me about my family, what are my parents doing and so on… On his farm he has some sheep and cows. Unfortunately is the lamb time already over, so he will have not a lot of work for me. But I would be very lucky if I can work just a few days. Money should not be the problem, although I didn’t speak with him about that. I have some reserves because the last 4 days I just spent about 100 Sterling for Accomodation, Sightseeing and of course Pub.
Well, while eating some mashed Potatoes and Fish Fingers I tell Michael what i’ve planned to do, about my studies in Germany and so on. He tells me a lot of a guy who worked here before a few months. This young feller lives near Hildesheim (yes, really) and he was phoning (always yelling and shouting) in the evenings for hours and hours till 2am. Of course, on the next day, he is sleeping until 12am. By the way, he was always drinkin’ a lot of beer and gin.
Just before I write this, we go through the kettles and feed two little sheep without mother. It is a bit weird to see that. Michael grabbed one of them, hold it between his knees and just put a thin tube in its mouth (about 30cm!). Then he pumped about half a litre of milk into this little sheep and let it go. Well, now going to the other sheep and to the cows, just for control and to look if there is a birth is coming tonight. Doesn’t seem so. Tomorrow we meet at 10 o’clock in the morning… good night.

Heute habe ich also englisch geschrieben, vermutlich mit einigen grammatikalistischten Lücken :-)
Der Tag fing eigentlich recht unspektakulär an. Es gab Frühstück mit Simón und Babs. Sie verlässt uns dann um in der Bibliothek zu lernen. Simon und ich gehen nochmal zu Baddens Pub um ein paar Fotos zu machen. Es regnet und dazu strahlender Sonnenschein…
Danach begeben wir uns zum Victoria Centre um ein bewölktes Panorama zu geniessen. Man muss nur einige Stufen nach oben gehen und unter einer Glaskuppel hat man einen guten Ausblick über Belfast. Danach macht sich Simon auf den Weg zum Hostel und eine Sachen zu holen und zum Flughafen zu gehen. Ich derweil schlendere zum Botanic Garden um noch durch ein feucht-warmes Tropenhaus zu kriechen und einige exotische Blüten zu entdecken. Nachdem ich dann das Ticket nach Bellamena gekauft habe geht’s zurück ins Hostel.
Was ich nun schreibe, kann ich selbst fast nicht ganz glauben… eben noch (mal wieder) Babs getroffen, (mal wieder) verabschiedet und dann ab zur Bushaltestelle. Der Bus fährt 19:50 ab und kommt 20:50 Bellamena an. Etwa 10 Minuten später taucht Michael auf und wir fahren zu seiner Farm in der Nähe von Newtown-Crommelin.
Er ist ein sehr netter Kerl und stellt erstmal eine Menge Fragen (man beachte: weder nach Erfahrung noch Bildung) zu meiner Familie, ob ich Geschwister habe usw. Auf seiner Farm hat er Schafe und Kühe. Die Lammzeit ist allerdings schon vorbei und so gibt’s erstmal nicht so viel zu tun.
Allerdings bin ich schon sehr froh,wenn ich einfach ein paar Tage dort bleiben kann um ihm zu helfen. Geld sollte nicht das Problem sein, obwohl ich mit Michael noch nicht darüber gesprochen habe. Noch habe ich eine kleine Reserve dabei, die letzten 4 Tage habe ich für Unterkunft, Essen, Sightseeing und Pub gerade knapp 100 Pfund Sterling ausgegeben.
Als wir auf der Farm ankommen, gibts erstmal ein paar Kartoffeln mit Fischstäbchen und ich erzähle, was ich eigentlich so vorhabe hier in Irland und was ich studiere. Michael erzählt mir von einem Kerl, der bei ihm noch vor einigen Monate gearbeitet hat und direkt bei Hildesheim wohnt (wer mag das wohl sein?). Der soll abends immer stundenlang telefoniert haben und dabei sehr laut gewesen sein. Dies dann bis 2 Uhr nachts und erst mittags um 12 Aufstehen… Außerdem trank er pausenlos Bier und Gin ohne dabei auch nur ansatzweise betrunken zu sein.
Gerade, bevor ich diesen Text hier schreibe, geht’s nochmal zu den Lämmern, zwei haben keine Mutter und müssen gefütter werden. Das ist allerdings nicht so niedlich, wie man sich das so vorstellt (Flasche geben usw). Michael schnappt sich das Lamm, steckt ihm einen ca. 30cm langen Schlauch ins Maul und spritzt dann etwa ½ Liter Milch hinein. Dann geht’s noch zu den anderen Schafen und Kühen, nur zur Kontrolle.
Morgen treffen wir uns also so gegen 10 Uhr. Gute Nacht.

22/04/09 – Tag 6

I slept in a very nice bed this night, far better that in the hostel. About 09:30 I get up and have a short breakfast. A guy with a tractor is collecting the stuff from the cows (I have to ask Michael for the right word) and spread it around in the landscape. That was a really heavy smell in the nose. I guess it needs just a bit more to taste it…
Cleaning and feeding the cows and sheep now. There is a very old feller helping with the cleaning. He seems to be a bit deaf and so seem I. I do not understand a word he was talking. Strange accent.
After feeding the sheep on the farm we drive with the car to other sheep. Now it is time for a little rest. We eat some soup with bread and Tea Fingers with the tea. I have to confess, that I am now really addicted to tea :-)
Maybe a few words more about the farm and the surrounding: about 10 miles away from Ballymena, there is a little village called Newtown-Crommelin. Right below that village is Michaels farm. The surrounding is very nice with smooth hills and little streets.
I thought I could write a lot for this day, but we really didn’t work much, then waiting and working a bit more.
In the evening we fed the cows again and then ourselves. Potatoes with Beans and Meatballs *mjam*

Ich habe diese Nacht wirklich sehr gut geschlafen, so ein breites Bett hatte ich schon lange nicht mehr. Etwa halb 10 stehe ich auf und nehme ein kleines Frühstück zu mir. Ein Typ mit Güllewagen steht vor den Ställen und pumpt die Gülle ab, die wird dann auch gleich rundums Grundstück verteilt. Man kann sich vorstellen, dass nur eine Prise mehr notwendig ist, um den Geruch zu schmecken.
Ausmisten und Füttern der Kühe und Schafe. Ein sehr alter Farmer hilft dabei. Er scheint etwas taub zu sein und denkt bestimmt das gleiche von mir. Ich habe kein Wort verstanden. Schwerer Akzent.
Jetzt fahren wir noch durch die Umgebung um die anderen Schafe zu füttern. Dann ist es aber zeit für eine kleine Mahlzeit und Tee. Ich muss zugeben, ich bin süchtig nach Tee :-)
Vielleicht noch etwas zur Farm und der Umgebung: etwa 10 Meilen von Bellamena entfernt ist ein kleines Dorf namens Newtown-Crommelin. Direkt daneben befindet sich Michaels Farm. Die Landschaft ist sehr schön, grün, leichte Hügel und kleine Straßen.
Mehr gibt’s für heute eigentlich nicht zu berichten, ein wenig Arbeit und immer warten zwischendurch.
Am Abend gibt’s wieder Futter für die Viecher und dann für uns. Kartoffeln mit Bohnen und Mettbällchen. *mjam*

23/04/09 – Tag 7

Für heute gibt es wirklich nichts spannendes zu berichten. Vielleicht, dass ich den alten Kumpel von Michael etwas besser verstehe. Ansonsten nur die normalen Arbeiten und frühes Abendessen.

24/04/09 – Tag 8

10:10, das ist schon reichlich spät, trotzdem bleibt Michael ganz entspannt, die neue Silage soll gleich kommen. Der Treckerfahrer hats leider nicht so drauf. Erst wird die Silage vor der Scheune und nicht darin abgeladen und zu guter Letzt reißt er auch noch ein Stück vom Tor heraus.
Als nächstes werden einige Lämmer geimpft und markiert, dann noch schnell die Schwänze gestutzt. Sie scheinen davon aber nicht viel zu merken, obwohl reichlich Blut fließt. Dann soll ich ein dickes Mutterschaf festhalten :-) Dieses springt erstmal über ein Tor (das traut man den Dingern gar nicht zu), dann bekomme ich es doch irgendwie zu packen.
Als wir fertig sind und Joe (hilft beim Füttern) hinten bei den Ställen ist, sehen wir plötzlich eine Horde Kühe auf dem Hof herumstreunen, Joe hat doch glatt ein Tor aufgelassen… Das Vieh verteilt sich relativ schnell auf dem Feldweg und in der Scheune mit dem Futter. Eine Kuh dreht regelrecht durch und wälzt sich in der Silage. So viel zu dem Spruch: „Da könnte ich mich reinsetzen“
Relativ schnell sind die Kühe wieder in ihrem Auslauf. Nun noch schnell einen Auslauf mit dem Scraper auskratzen und dann geht’s in die Wanne. Kurz vor 5 fahren wir los um die Schafe zu füttern und mich in Cargan abzusetzen. Dort bringt mich ein Bus nach Bellamena und von dort aus geht’s nach Belfast. Leider ist das Linen House ausgebucht, deshalb muss ich quer durch Belfast um mich im offiziellen Youth Hostel einzuchecken. Kostet 12 Pfund das 4-Bett-Zimmer und im Klo geht das Licht nicht. Da ist mir das Linen House deutlich sympathischer. Deshalb sitze ich jetzt hier und schreibe.
Danach geht’s also in den Pub, Babs schlägt einen anderen vor, letzten Endes landen wir aber doch in Maddens Bar. Leider wird mir im Laufe des Abends mein Portemonnaie gestohlen, das ist natürlich ärgerlich, zumal dort auch mein Reisegeld drin war. Dementsprechend deprimiert geht’s also zum Hostel. Dort erfahre ich dann gleich, dass mein Rucksack nicht mehr da ist. Dort ist zum Beispiel mein Laptop drinne… Leider kann ich heute nichts mehr unternehmen und muss erstmal darüber schlafen.

Samstag, 25. April – Tag 9

Nach einer grauenhaften Nacht im International Hostel wache ich auf. Erinnere mich gerade, dass der Nachtportier im Hostel und noch erzählte, dass dort ein Typ in der Lobby des Hostels geschlafen hat und sich auch nicht wecken ließ. Letztendlich hat man einen Krankenwagen gerufen, die haben ihn dann mitgenommen. Da mein Rucksack direkt neben seinem Stuhl stand, wurde der auch eingesammelt. Muss jetzt also in irgendeinem Hospital liegen. Als erstes gehe ich zum Belfast City Hospital. Dort werde ich von einem Schalter zum anderen geschickt und niemand fühlt sich wirklich zuständig. Dann geht’s zur Police Station. Der Constable dort ist sehr hilfsbereit und ich muss eine ganze Weile warten. Ich erfahre dann, dass der Rucksack anscheinend nicht mit ins Hospital genommen wurde, da man den Schlafenden hat wecken können und er dann seines Weges gegangen ist. Also muss ich ins Hostel laufen und nochmal nachfragen. Der Portier weiß von nichts. Zurück in der Police Station muss ich erneut warten. Schließlich sagt man mir, ich werde schon benachrichtigt, falls das Portemonnaie oder der Rucksack wieder auftauchen sollte… das sind ja gute Aussichten. Zur Krönung des Ganzen ist auch noch der Akku meines Handys so gut wie leer. Telefonieren mit Michael ist erstmal nicht möglich. Nächstes Ziel: die Victoria Station um zu fragen ob ich ohne Geld nach Ballymena fahren kann. Kein Problem, nur muss Michael in Ballymena das Ticket kaufen, dann muss eine Station die andere benachrichtigen.
Letzten Endes klappt dies und kurz darauf bekomme ich einen Abruf vom Constable. Anscheinend ist mein Rucksack im Mental Hospital aufgetaucht. Ich werde abgeholt und darf aus der Psychiatrie meine Sachen abholen. Erleichterung mach sich breit.
Ich sitze im Bus. Es gewittert. Nach einer Stunde holt Michael mich dann ab und es geht ruck-zuck zur Farm, da er um 18:30 in die Kirche möchte. Später dann, als wir die Schafe von der Weide holen ist eins der Lämmer gestorben. Dafür wurde auf einer anderen Weide eins geboren. Ein großes, kräftiges Tierchen.
Erkenntnis des Tages … ach nein, damit fange ich lieber gar nicht erst an.


Sonntag, 26. April – Tag 10

Heute ist Sonntag, das wird vor allem durch die Messe angezeigt, die beim Frühstück aus dem Radio quakt. Ist aber eigentlich ganz nett. Sogar Lark hat heute ihren guten Tag und bellt mich weder an, noch versucht sie mich zu beißen. Lark? Sie ist einer der drei Hunde, die in der Wohnung leben. Sie hat ein weißes,sehr großes Auge und ist sehr misstrauisch allem gegenüber. Dann ist da noch Topsie, sie ist sehr lieb und verlangt dauernd nach Aufmerksamkeit. Die beiden sind im Wohnzimmer, während Kim in der Küche wohnt. Sie ist auch sehr zutraulich, stinkt aber wie ein nasser Teppich und will einen andauernd abschlecken.
Nach einem ausgiebigen Frühstück machen wir uns an die üblichen Arbeiten. Ich nehme noch meine Kamera mit um ein paar Fotos zu machen.
Das Wetter ist heute sehr abwechslungsreich. Alle paar Minuten wechselt es zwischen Sonnenschein, Schauern und kaltem Wind.

Montag, 27. April – Tag 11

Das Arbeiten auf der Farm kann einem schon so einige interessante Erlebnisse verschaffen. Die lokale Tierärztin kommt heute vorbei und es werden einige junge Kühe zum Hörnerstutzen ausgewählt. Erst ein eine schmale Absperrung, dann wird ihnen zur Betäubung eine dicke Spritze knapp hinter den Schläfen gegeben. Die Kühe sind sehr nervös und kacken alles voll. Nun werden die Spitzen der Hörner abgeschnitten und eingebrannt. Das sieht alles ziemlich brutal aus, auch wenn die Tiere ja betäubt sind.
Das Wetter hält sich den ganzen Tag sehr gemischt, kleine Schauer aber auch viel Sonne.

Dienstag, 28. April – Tag 12

Heute sehr schönes Wetter ohne Regen und mit fast durchgehendem Sonnenschein.
Eins der verwaisten Lämmer ist gestorben.

Mittwoch, 29. April – Tag 13

Puh,was für ein Tag. Gleich morgens um 10 fahren wir nach Ballymena, das dauert ca. 3 Stunden. Dann haben wir einiges an Arbeit aufzuholen und dass soll’s noch nicht gewesen sein. Erst ist ein Schaf verschwunden. Dann zwei neue Lämmer im Stall und eins auf der Weide. Dieses trage ich dann bis in den Stall, ist ein kräftiges Tierchen. Das verschwundene Schaf taucht später in der Futterscheune auf, es ist von hinten durch ein Loch in der Tür (siehe Tag 8) hinein gekommen. Nach dem zweiten Anlauf ist es dann auf der richtigen Weide gelandet.
Für Michael war der Tag übrigens nach 1 Uhr nachmittags gelaufen, ständig beschwert er sich über die verlorenen Stunden am Morgen. Ständig.

Donnerstag, 30. April – Tag 14

Joe hat das Fahrrad vergessen, aber er versucht es morgen mitzubringen. Einige Kälber haben heute Plaketten in die Ohren gestanzt bekommen, kein großer Aufwand. Dann noch die Lämmer impfen und markieren.
So langsam mache ich mir Gedanken, wie ich meinen Rückflug bezahlen soll, falls Reisen in nächster Zeit noch möglich ist (überall ist die Rede von der Swine Flu. In Irland gibt es einen ersten Infizierten.) Michael will mir wohl erstmal 60 Pfund Sterling die Woche bezahlen, was eigentlich auch okay ist, da es nicht viel zu tun gibt und ich mich ja erstmal mit dem Arbeitsablauf vertraut machen muss. Ich frage mich nur ernsthaft, was ich mit meiner freien Zeit machen soll. Da warte ich den halben Tag auf Arbeit und abends kann ich hier noch nicht mal weg.
Ein Internetanschluss wäre schon ein Anfang, aber das kann ich mir wohl nicht leisten.
Wird mich die Langeweile hier etwa letztendlich noch vertreiben? Und mangels Geld kann’s dann leider nur nach Hause gehen. Mal sehen, nach zwei Wochen ist mein Rückflug gesichert und dann kann ich immer noch weitersehen.

Freitag, 01. Mai – Tag 15

Das Wetter erreicht heute seinen Höhepunkt. Morgens von 7 – 10 schüttet es wie aus Eimern. Dann wechseln kräftige Schauer mit strahlendem Sonnenschein und sehr angenehmen Temperaturen.
Eigentlich etwas langweilig nur über das Wetter zu schreiben, aber schließlich ist das Michaels Lieblingsthema.
Heute ist mir auch mehrmals fast der Kragen geplatzt: so lange musste ich wohl noch nie auf Michael warten. Es schauert gerade, und wir wollen Tee trinken, gerade bevor er die Tür aufschließen will kommt ihm ein Anruf dazwischen. Natürlich lässt er mich nicht herein, nur ein „Hold on, hold on“ und weitere 20 Minuten in der Nässe. Da ist wirklich Geduld gefragt und ich sollte mir nochmal den Vortrag eines Buddhisten auf dem MP3-Spieler anhören. Vielleicht hilft’s ja.

Samstag, 02. Mai – Tag 16

Nachdem alle Arbeit erledigt ist und Michael zur Kirche fährt, versuche ich ein altes Fahrrad zu mobilisieren. Die Kette lässt sich mit sehr viel Öl auch wieder gangbar machen, leider gibt’s da immer noch die klemmenden Bremsen und zwei fast platte Reifen.

Sonntag, 03. Mai – Tag 17

Wieder extrem wechselhaftes Wetter heute. Ein schöner Regenbogen mittendrin.
Hoffentlich kann ich Joe heute noch erreichen. Ich muss mal ins Internet.
Jetzt ist es kurz vor 12 (Mitternacht) und Michael kommt rein und sagt wir wollen nach Ballymena fahren. Was zur Hölle will er mitten in der Nacht in Ballymena? Die Post wegbringen… nun gut. So gegen 1 sind wir dann wieder da und ich gehe ins Bett.

Montag, 04. Mai – Tag 18

Heute wird in Nordirland der „May Day“ gefeiert. Das heißt konkret, dass die meisten Geschäfte geschlossen sind und wir auch keine neue Silage besorgen können. Außerdem ist das Futter für die Schafe aufgebraucht. So müssen die halt mal hungern und wir haben nicht wirklich viel zu tun. Michael schon, er verflucht den ganzen Tag lang das Wetter (warum eigentlich, es regnet doch nur…). Ich versteh ihn nicht so ganz. Mir macht der Regen überhaupt nichts aus, da ich mit guter Regenjacke ausgestattet bin und wir sowieso die meiste Zeit im Auto sitzen. Jetzt werde ich die nächste halbe Stunde damit verbringen heißes Wasser in die Wanne zu lassen. Bei Michaels kleinem Beuler kann man immer so 20 Liter erhitzen und die dann einlaufen lassen…

Dienstag, 05. Mai – Tag 19

Heute geht’s wieder um halb 12 nach Ballymena. Davor noch kurz ein paar Futtersäcke aus dem Laster laden und kurz die Ställe ‘scrapen’. Es regnet den typischen irischen Regen. Kleine, aber viele Tropfen mit kräftigem Wind dazu. Und das eigentlich den ganzen Tag. Mich stört das ja nicht, aber wir sammeln auf der Weide noch ein Lamm ein. Dieses atmet zwar nicht und die Augen sind weit geöffnet, tot ist es aber noch nicht. Michael legt es unter die Wärmelampe, aber es ist zu spät. Da sind noch zwei Lämmer, die mir Sorgen machen: das verwaiste hält sich kaum auf den Beinen, frisst aber noch und eins von den Zweien mit Mutter ist auch sehr schwach und dünn. Die Mutter (die alte Pottsau) lässt es einfach nicht trinken. So wird man hier alltäglich mit Leben und Tod konfrontiert.
In Ballymena werden erst sämtliche Banken abgeklappert (was immer Michael da auch macht) und ich bekomme erstmal 50 Sterling. Jetzt aber endlich zum Frisör (Barber). Für sagenhafte 6 Sterling bekomme ich einen sauberen Haarschnitt.
Der Regen wird im Laufe des Tages immer heftiger und schließlich verrichten wir die letzten Arbeiten im Dunkeln.
Michael fragt mich erneut, was ich jetzt vor habe. Das frage ich mich natürlich auch. Am Freitag kann ich ins Internet und schon mal nach Flügen gucken. Ich möchte natürlich noch gerne ein paar Wochen bleiben um einige Ausflüge in den Norden und Osten zu machen und habe dies Michael auch so gesagt. Er hat auf jeden Fall nicht abgelehnt.

Mittwoch, 06. Mai – Tag 20

Man kann hier in Irland viel über das Wetter schreiben. Mal abgesehen davon, dass Michael den ganzen Tag darüber redet…
Viel Wind und Regen also. Einer der vielen Mick’s kommt heute Vormittag vorbei, weil das eine Mutterschaf auf der Seite liegt und irgendetwas fleischig-blutiges hinten rausguckt. Was auch immer das sein mag… Mick stopft das Gesocks wieder rein und näht das Schaf kurzerhand hinten zu. Das Waisenlamm ist immer noch schwach, hat wohl eine üble Verstopfung. Auf der Wiese finden wir ein weiteres totes Lamm, Michael hat damit dieses Frühjahr schon 6 Lämmer verloren.
Als ich abends den Platz von den Kühen säubere offenbart sich uns am Ende der grauen Wolkendecke ein wunderbarer Sonnenuntergang inklusive Regenbogen! Der Himmel klart schließlich fast auf und das innerhalb einer halben Stunde. Unglaubliche Farben und Formen gibt’s da zu sehen. Kaum ist die Sonne hinter dem Berg verschwunden ziehen aber auch schon wieder die schwarzen Wolken heran. Man glaubt es kaum, aber es ist möglich beim Ausmisten wirklich glücklich zu sein.

Donnerstag, 07. Mai – Tag 21

Ich bin online! Auch wenns nur für eine Stunde ist. Auf jeden Fall kann ich in der Bibliothek in Ballymena meine Emails durchgucken und morgen kann ich auch das Tagebuch aktualisieren.

Jetzt werde ich mal kurz den Arbeitsablauf auf der Farm auflisten:

Tee und Frühstück
Schafe im Stall füttern und mit Wasser versorgen
den Lämmern Milch geben
Schafe mit ihren Lämmern auf die Wiese bringen
Ställe auskratzen und vier Mutterkühen mit ihren Kälbern die Silage geben
den restlichen Kühen Pellets und Silage geben
Futter für die Schafe auf den Weiden vorbereiten
Tee und Sandwiches
Losfahren und Schafe füttern
Tee und Sandwiches
erneut die Ställe säubern und die Kühe mit den Kälbern Silage geben
die Kühe im anderen Stall mit Auslauf werden eingesperrt und der Hof gesäubert
Schafe mit ihren Lämmern wieder in den Stall treiben und versorgen
Tee und Sandwiches
Lämmern Milch geben
Tee und Abendessen (Kartoffeln mit irgendwas dazu)

Dem Lamm mit der Verstopfung geht’s noch wie gestern und einer von Michaels Hunden liegt im Sterben. Ist aber schon ein alter Knochen.
Jetzt schreibe ich im Bett und der Regen donnert an mein Fenster…

Freitag, 08. Mai – Tag 22

An diesem Freitag fängt mein 3-Tage-Urlaub an. Um kurz nach drei heizt Michael dem Bus nach Ballymena hinterher, da dieser unerwartet früh ankam. Nach der Durchquerung der Stadt (es war sehr vollgestopft) steige ich in den Bus nach Belfast. Dort angekommen treffe ich Linus an der Victoria Station und wir gehen erstmal zum Linen House. Danach zu einem Haus der Volunteers, die Linus kennt und wo er schlafen wird. Da es schon recht spät ist, entschließen wir uns zwei Meals aus dem Iceland Supermarkt in die Mikrowelle zu schieben. Hat sich nicht gelohnt.
Später geht’s dann noch für eine Weile in Madden’s Bar um ein paar Harp Pints zu genießen. Leider macht der Barkeeper schon um 1 dicht und es gibt auch keine Abschlusssession.

Samstag, 09. Mai – Tag 23

Heute wollen wir eine kleine Reise beginnen und machen uns auf den Weg zum Autoverleih. Es regnet und ist kalt. Für 95 Pfund bekommen wir einen Kleinwagen für 2 Tage.
Wir fahren los und natürlich hört es sofort auf zu regnen. Erstmal in Richtung Norden an der Küste entlang. Dort gibt’s eine sehr schöne Scenic Route mit kleinen Straßen und wenig Verkehr. Tolles Wetter jetzt und eine super Küste.
Wir passieren Carrickfergus, Larne, Cushendall (und machen noch einen Abstecher zu Michaels Weiden). Linus zeigt mir die Farm, wo er eine Woche gearbeitet hat und dann das Weite gesucht hat.
Schließlich erreichen wir Ballycastle und in Portrush geht’s in ein nettes Hostel (11 Pfund die Nacht). Zum Abschluss noch ein Abstecher zum typischen Postkartenmotiv Mussenden Temple.

Sonntag, 10. Mai – Tag 24

Heute geht’s weiter nach Londonderry (eine wirklich kleine, aber schöne Stadt) und dann runter nach Donegal. Eine nicht sehr spannende Fahrt, die aber viel Zeit in Anspruch nimmt.
Von Donegal aus suchen wir und den Weg durch Killybegs und Kilcar zur Küste. Da wir nur eine sehr grobe Karte mit den Independant Hostels haben, ist das nicht so einfach, besonders, als wir in die Gaeltacht Gebiete kommen. Zum Glück hören sich einige gälische Namen so ähnlich an wie die englischen.
Eine sehr schöne Bucht macht die ganze lange Fahrt wett und beschert und einen wunderbaren Ausblick.
So langsam wird’s spät und wir müssen ja noch nach Belfast zurück. Über Ballyshannon und Enniskillen (die Landschaft ist hier schon wieder ganz anders, Berge, Seen und Wälder) machen wir noch einen Abstecher nach Armagh, damit Linus mir die Apfelfarm zeigen kann, wo er im Herbst gearbeitet hat). Die Gegend hier ist sehr schön, mit all den Apfelplantagen und vielen alten Steinhäusern. Wir kommen tatsächlich noch im Hostel an und der Mietwagen ist auch zurückgegeben. Zum Abschluss noch eine leckere Pizza, die morgen für eine unangenehme Verdauung sorgen wird.

Montag, 11. Mai – Tag 25

Heute fliegt Linus nach Edinburgh zurück und ich verbringe fast den ganzen Tag im Hostel.

Da Michael mal wieder gnadenlos am Abschleichen ist, bin ich so gegen 11 wieder auf der Farm und habe nicht die beste Laune. Morgen früh um neun soll es nach Ballymena gehen, wo Michael zu einer Beerdigung muss. Ich darf dann schön zwei drei Stunden in der Stadt rumhängen… warum?Ich sagte ihm, dass ich nicht mitzukommen bräuchte, da ich lieber in der Zeit etwas besseres machen könnte (zumindest ausschlafen)… keine Chance. Er kann den Hof nicht verlassen ohne abzuschließen, das sei nun mal die Regel.
Außerdem versucht er mir indirekt klar zu machen, dass er mich eigentlich nicht mehr braucht (und dass obwohl die Zeit angeblich immer am Vorbeifliegen ist) weil ja nichts zu tun sei. Nun gut, ich brauche irgendwie Geld für den Rückflug und dann wars dass wohl erstmal mit Irland. Am Wochenende habe ich wenigstens noch schnell einen Überblick vom Norden bekommen.

Gute Nacht.

Dienstag, 12. Mai – Tag 26

Ballymena. Nachdem Michael mich rausschmeißt und zur Beerdigung fährt, mach ich mich auf den Weg in die Bibliothek. Leider ist die Frau an der Kasse so freundlich, dass ich nicht ins Internet darf. Wenigstens zeigt sie mir den Weg zu einem Café mit Internet. Nach einer halben Stunde mache ich mich auf den Weg um einen Park oder eine Bank zu suchen. Das Wetter ist nämlich sehr gut. Eine weitere halbe Stunde später habe ich tatsächlich eine Bank gefunden (es gibt wirklich nichts Grünes in Ballymena) und genieße mit Musik anderthalb Stunden in der Sonne. Michael wollte mich anklingeln wenn er fertig ist. Passiert leider nicht. Nach einer weiteres Stunde stellt ich mich an die Straße und nachdem ich insgesamt 3 Stunden gewartet habe werde ich von Joe eingesammelt. Komischerweise spinnt O2 gerade heute und ich konnte weder Nachrichten noch Anrufe empfangen.
Zum Abschluss des Tages fahren wir dem Düngertrecker hinterher und passen auf, wann er in den sumpfigen Wiesen stecken bleibt. Dies geschieht genau zwei Mal.
Seitdem ich Michael alles erzählt habe scheint er mir überhaupt nicht mehr zu trauen. Als ich abends telefoniert habe, durfte ich mich erstmal rechtfertigen, weil die Verbindung zwischendurch abgebrochen ist… Jedenfalls ist mein Rückflug gesichert. Am Freitag geht’s nach Belfast und Samstag Abend geht mein Flug von Dublin nach Lübeck.

Mittwoch, 13. Mai – Tag 27

Arbeiten…

Donnerstag, 14. Mai – Tag 28

Mein Zeitgefühl scheint mich täuschen zu wollen. Eigentlich weiß ich, dass heute Freitag ist und das Michael mich wohl abends nach Ballymena zur Station bringt. Dann gibt’s auf einmal wirklich viel zu tun. Einige Schafe sollen auf andere Weiden gebracht werden und Impfungen bekommen.
Michael hat anscheinend nicht so viel Ahnung davon, einen Hund nehmen wir mit, der ist allerdings genauso nützlich wie ein herumrennender Stock. Nach einer verlorenen Stunde mit viel Schafe-hin-und-hergeschicke kommt und ein anderer Farmer zu Hilfe. Dieser hat einen ausgebildeten Collie und deshalb bekommen wir die Schafe jetzt auch sehr schnell in den Trailer hinein. Dann auf der nächsten Weide werden Lämmer und Schafe in eine Absperrung geschickt und der Reihe nach geimpft und farbig markiert.
Abends frage ich mich, wann es wohl nach Ballymena geht. Ich muss mich erst von Michael überzeugen lassen, dass wirklich erst Donnerstag ist.